#BEUYS100: Lass’ wachsen | Lehrveranstaltung an der Universität Kassel WS 2021/2022

#BEUYS100: Lass’ wachsen

Kuratierte Sukzession von Eichen für Kassel und die GrimmHeimatNordhessen
Projekt von Dr. Matthias Henkel

Meine documenta – Volker Schäfer

Ein Zeitzeuge der ersten Stunde ist Volker Schäfer. Im Alter von 7 Jahren besuchte er gemeinsam mit seiner Familie die erste documenta in Kassel und war fort an begeistert von der Ausstellung. Heute ist er u.a. Vorsitzender der Stiftung „7000 Eichen“.

Verantwortlich: Christina-Schulz-Ecknigk (OK Kassel)

zum Projekt 7000 Eichen: ab 27:30 Min

Das Modul Ästhetische Bildung und Bewegungserziehung ist ein besonderer Baustein des Grundschullehramtstudiums – mit Augenmerk auf die nachfolgenden Generationen. In Seminarangeboten des Fachgebiets lassen sich Facetten eines ganzheitlichen Verständnisses von Nachhaltigkeit auf unterschiedlichen konzeptuellen, inhaltlichen und sinnlichen Ebenen gemeinsam mit den künftigen Lehrkräften thematisieren und entwickeln. Anhand eigener ästhetischer Erfahrungen, Unterrichtsbeispielen und Projektideen wird deutlich, wie gerade ästhetische Bildung als fächerübergreifendes Prinzip zur Sensibilisierung für und kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen beitragen kann und dadurch kreative Entwürfe von Zukünften entwickelt werden können. Die UNESCO hat mit ihren beiden World Conferences on Arts Education 2006 und 2010 die Bedeutung der Arts Education für globale Entwicklungen und auch für ein wachsendes Verständnis für Nachhaltigkeit stark gemacht. Die Rolle von Bildung und Kultur fand dementsprechend auch Eingang in die Formulierung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erhält neben angestammten sozialen, ökologischen und ökonomischen Faktoren eine zunehmend zentrale Rolle für die Gestaltung eines verantwortungsvoll geführten Lebens (https://www.unesco.de/bildung/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung).

Nachhaltigkeit 2.0

Den inhaltlichen-theoretischen Rahmen des Projektes bildet der Diskurs über einen Ansatz zur kulturell-künstlerischen Untersetzung des Begriffs von Nachhaltigkeit. Erst damit – so unsere Ausgangshypothese – wird aus dem Sinnvollen etwas wirklich Sinnstiftendes; wird durch diese emotional-wertemäßige Aufladung für alle Beteiligten individuell relevant. Bereits vor 20 Jahren wurde im sogenannten Tutzinger Manifest eine Neuausrichtung der Definition von Nachhaltigkeit proklamiert, allerdings ohne dass sich bislang operative Folgen daraus entwickelt hätten (https://kupoge.de/ifk/tutzinger-manifest/; zum Verhältnis von Kultureller Bildung und BNE s. https://www.kubi-online.de/artikel/zum-spannungsreichen-verhaeltnis-bne-kultureller-bildung-oder-bildnarrative-unsere). Das Projekt nimmt die BEUYS-Aktion zur documenta von 1982 zum Ausgangspunkt einer eigenen Erfahrung und Wahrnehmung von Nachhaltigkeit. Durch dieses Projekt entstehen nicht nur neue Wurzeln, sondern zugleich werden die Wurzeln von 1982 im kulturellen Gedächtnis der Stadt aktiviert und reflektiert.

Soziale Plastik | JOSEPH BEUYS

Die operative Schlagkraft des von Joseph Beuys entwickelten Konzeptes der Sozialen Plastik wird gerade aus Anlass seines 100sten Geburtstages mehr als evident: In den annähernd 40 Jahren seit der documenta 7 hat sich Kassel durch dieses Landart-Projekt zu einer Stadt mit Grüner Lunge entwickelt. Allerdings sind einige der einst gepflanzten 7000 Eichen inzwischen verloren gegangen. Die erhaltende Arbeit der Stiftung 7000 Eichen ist daher essenziell. Dadurch wird deutlich, dass Hege und Pflege – oder ganz allgemein Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – elementare Bestandteile einer aktiv gelebten Nachhaltigkeit sein müssen; die Prozesshaftigkeit und das erforderliche Verantwortungsgefühl des eigenen Handelns werden dadurch verdeutlicht. Mit dem eigens entwickelten Begriff der Kuratierten Sukzession wird unterstrichen, dass das Projekt ganz bewusst an der Schnittstelle zwischen Kunst, dem sozialen Raum der Stadt und dem Naturschutz ansetzt.